Anahita Verlag | Willkommen » Gesund von Anfang an
Kinderlachen klingt über den Spielplatz. Eine Mutter gibt ihrer kleinen Tochter auf der Schaukel Schwung. Eine Gruppe weiterer Mütter sitzt auf der Bank neben der Sandkiste und unterhält sich. Löffelbiskuits und Butterkekse machen die Runde. Allein Katharina kann nichts zum Gespräch betragen, denn es geht, wieder einmal, um Krankheiten. Katharinas Sohn Jasper springt mit den anderen herum. Er war in den fast acht Jahren seines Lebens nicht ein einziges Mal wirklich krank. Die für Kinder üblichen Krankheiten wie Schnupfen, Mittelohrentzündung, Magen-Darm-Grippe usw. kennt Katharina bei ihm ebenso wenig wie Sonnenbrand. Die Windpocken hat er in wenigen Tagen überstanden gehabt. Seinen Freunden geht es nicht ganz so gut. Jan ist sieben und muss derzeit wöchentlich zur Asthmaschulung. Benjamin, 4, muss den ganzen Sommer über Medikamente nehmen, damit er mit seinem Heuschnupfen überhaupt so alltägliche Dinge wie Kindergartenwanderungen mitmachen kann. Karl, 9 Jahre alt, wurde ADHS diagnostiziert. Sarah hatte mit ihren 3 Jahren bereits 5 Mittelohrentzündungen. 12 bis 15 Erkältungen im Jahr gelten ohnehin als normal für kleine Kinder, angeblich übt das Immunsystem sich daran.
Doch sind sie wirklich normal? Muss die ständige Rotznase sein? Und sind die Allergien tatsächlich gottgegebenes Schicksal? Oder läuft vielleicht bei unseren Kindern irgendetwas falsch – auf Kosten der Kinder, der Pharma-Versuchstiere, der durch Medikamente belasteten Umwelt?
Möglicherweise ist die Antwort ganz einfach. Betrachtet man die Schlagzeilen in den diversen Zeitschriften und Fernsehsendungen für schwangere Frauen und junge Eltern, wird dort allen Ernstes immer wieder gefragt: „Stillen oder Fläschchen? Was ist besser?“ – so als wäre das tatsächlich eine ernstzunehmende Frage. Um die Lächerlichkeit dieser Frage klarzumachen, könnte man sie umformulieren. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Katze. Diese Katze bekommt Junge. Was ist für die Jungen besser? Katzenmilch oder Hundemilch, die von Experten, die sich genau mit Katzen und vor allem mit Finanzen auskennen, sorgfältig totgekocht, mit künstlichen Nährstoffen und Vitaminen angereichert, getrocknet und in Pappschachteln gefüllt wurde? Menschenbabys, könnte man annehmen, brauchen von Natur aus Menschenmilch.
Die australische Heilerin Jaimie Clarkson sagte: „Die Weisheit des Körpers, die natürliche Gesundheit, die Fähigkeit, sich anzupassen, ist genial, göttliches Design. Uns allen wurde beigebracht, das zu unterschätzen.” Statt uns an unseren inneren Arzt, unsere innere Weisheit zu wenden, suchen wir lieber im Außen Rat – und der Markt reagiert. Laut den Ratgeber-Seiten von Herrn Hipp, sind bereits nach dem vollendeten 5. Lebensmonat Getreidebreie und „Kleine Mehlspeisen” eine angemessene Babykost. Ein Gute-Nacht-Milchbrei dazu macht das Glück perfekt...
Betrachtet man den durchschnittlichen Gesundheitszustand der Kinder heute, ist das Überdenken dieser und ähnlicher Ernährungsempfehlungen vielleicht doch sinnvoll. War ein Kind vor 30 Jahren mit Heuschnupfen noch beinahe eine Exot und mit Asthma geradezu eine Sensation, gibt es heute fast kein 7jähriges Kind mehr, das nicht weiß, was eine Allergie ist – entweder, weil es selbst betroffen ist, oder weil es die Thematik von Freunden kennt.
Die schwedische Heilpraktikerin Ursula Jonsson vertritt in ihrem Buch Die Basisallergie die durchaus schlüssige Meinung, dass der Organismus erst ab einem bestimmten Alter überhaupt davon ausgeht, dass ein zugeführtes Lebensmittel „artfremd” sein könnte. Jegliche Nahrungsmittel, die ihm vor diesem Zeitpunkt zugeführt werden, werden nicht als artfremd erkannt und entsprechend auch nicht umgewandelt. In den meisten Fällen sind dies in unserer Welt dank Flaschennahrung und Babybreichen Kuhmilch und Getreide. Diese nicht in körpereigene Substanzen umgewandelten Stoffe erzeugen später die von Frau Jonsson so bezeichnete „Basisallergie”, die den nachweisbaren Unverträglichkeiten gegen Gräser, Tierhaare etc. zugrunde liegt.
Einige Mütter berichten, dass ihre Babys trotz der Tatsache, dass sie länger als 6 Monate voll gestillt wurden, Symptome zeigen, die sie, wenn man den offiziellen Stillinformationen glaubt, eigentlich nicht haben dürften. Wahrscheinlich haben diese Mütter unwissentlich ihre Basisallergie an das Baby weitergegeben. Da ihr Körper die entsprechenden artfremden Eiweiße in Kuhmilch und Weizen nicht als solche erkennt, wandelt er sie nicht in arteigene um, und sie gehen als Fremdstoffe in die Muttermilch über. Um die Kette zu durchbrechen, kann eine basisallergische Mutter also zur Allergieprophylaxe während Schwangerschaft und Stillzeit sowohl auf tierische Milchprodukte als auch Getreide verzichten – bzw. auf die Stoffe, auf die sie bei sich selbst eine Basisallergie vermutet.
Nach Frau Jonssons Theorie reagiert ein allergischer Körper nicht direkt auf Pollen, Tierhaare, Gräser etc., sondern auf die Kombination des Basisallergens mit diesen Dingen. Ihr zufolge ist diese „Basisallergie” mehr oder weniger verantwortlich für so gut wie alle unserer Zivilisationskrankheiten, von Abgeschlagenheit über Allergien über Depressionen, Diabetes, Karies, Krebs, Rheuma, Übergewicht, Untergewicht, verlangsamte Wundheilung, verschwommene Sicht bis Zuckersucht. Selbst als schicksalhaft wahrgenommene Krankheiten wie die Bluterkrankheit finden ihren Berichten nach Linderung, wenn die Basisallergie entsprechend behandelt wird. Diese Behandlung findet einmal durch Ausschlussdiät, zum anderen durch die Gabe von homöopathisch potenzierter Kuhmilch, Weizen, Gluten und anderen möglichen Basisallergenen statt.
Katharina, die Mutter von Jasper aus der Spielplatzszene am Anfang dieses Artikels, hatte das Glück, dass ihr diese Informationen bereits während der Stillzeit zur Verfügung standen. So konnte sie entsprechend handeln und sich auch naturkundliche Unterstützung holen. „Die Ausschlussdiät war nach anfänglicher Unsicherheit ganz einfach”, erzählt sie. „Man wächst da hinein, und am Ende liest man die Etiketten auf den Nahrungsmitteln nicht mal mehr, man scannt sie nur noch mit dem Blick ab und weiß sofort, ob das Produkt in Ordnung ist oder nicht.”
Der Zuwachs an Lebensqualität und Vitalität durch den Wegfall der Basisallergene machte Katharina Mut, noch einen Schritt weiter zu gehen und sich und ihren Sohn nur noch von rohen Lebensmitteln zu ernähren. Bis Jasper zwei war, hielt sie konsequent alles Erhitzte oder Tierische von ihm fern. Vor allem aber lebte sie die Liebe und Freude am Leben und der Bewegung in der Natur. Offenbar mit Erfolg: „Er ist das einzige Kind in unserem Bekanntenkreis, das absolut gesund ist”, sagt sie heute, kurz vor seinem achten Geburtstag, „und das, obwohl er inzwischen fast normal isst, zwar bio und vegetarisch zuhause, aber bei seinen Freunden gibt es garantiert auch mal tütenweise Gummibärchen oder Schokoriegel.” Isst er zu viel davon, entwickelt er wie so viele seiner Kameraden ADS-Tendenzen und wird aggressiver als sonst. Es ist ihr trotzdem wichtig, die ungesunden Nahrungsmittel nicht zu verdammen, Jasper gleichzeitig aber auch zu erklären, warum es zuhause eben keine Kilodosen Gummibärchen gibt. „Ein ziemlicher Eiertanz. Doch ich wünsche mir, dass er lernt, auf seinen Körper zu hören und wirklich hinzufühlen, ob ihm etwas gut tut oder nicht.”
Genau auf den eigenen Körper hören – wer das als Erwachsener tut, ist ein wahrhaft gutes Vorbild für Kinder, gerade in einer Zeit, in der auch aufgeklärte Menschen immer noch meinen, Milchschnitte sei gesund, weil alles Gute aus der Milch drin ist, und für Babys wüssten Tante Alete und Onkel Hipp schon, was das Beste ist.
Natürlich hat jede Krankheit vielfältige Ursachen, und gerade Kinder zeigen psychische Unpässlichkeiten oft unmittelbar als physische Krankheit. Doch auch da hilft Stillen und beugt vor. ein Grundgefühl der Geborgenheit und des Geliebt- und Angenommenseins ist der beste Nährboden für ein starkes Immunsystem.
Copyright © Julia Dibbern 2009
Foto: Anahita
erscheint in Nordstern Sept./Okt. 2009