Mensch Kind

Jan Hunt

Mensch Kind

Kleine Personen - große Gefühle

[Engl. Originaltitel: The Natural Child]

LESEPROBE

 

"Wenn wir vollkommen an unser Kind glauben, vertrauen wir darauf, dass es in jedem Augenblick sein Allerbestes tut - seinem Alter, seiner Erfahrung und den Umständen entsprechend. Es ist diese Art von Vertrauen, die ich meine, wenn ich davon spreche, dass Eltern auf der Seite ihres Kindes stehen. Wenn wir nicht auf ihrer Seite stehen - wer soll es dann tun?"

Die Psychologin Jan Hunt führt dem Leser in Mensch Kind klar vor Augen, nach welchen Prinzipien Menschen – ob groß oder klein – funktionieren und zeigt Wege zum harmonischen Zusammenleben. Mit dem Fokus auf gegenseitigem Respekt, bietet Mensch Kind liebevolle Ideen zum Aufziehen eines glücklichen, vertrauensvollen, selbstbewussten Kindes. Schwerpunkte sind: Elternschaft mit Mitgefühl und Vertrauen, Leben mit einem Baby, Leben mit Kindern, Kinder leiten, Kindern beim Lernen helfen, für Kinder eintreten.

 

Stimmen zum Buch:

Mensch Kind ist eine Sammlung von Artikeln aus den Jahren 1988 bis 2001 der Autorin Jan Hunt. Sie setzt sich seit Jahren für den respektvollen Umgang mit Kindern ein. Insbesondere geht es ihr darum, Kinder als vollwertige Menschen zu betrachten und entsprechend mit demselben Respekt zu behandeln, den sich Erwachsene gegenseitig entgegen bringen.
Die kurzen, leicht zu lesenden Artikel befassen sich zum größten Teil mit dem gleichberechtigten Umgang von Kindern, ohne auf Zwangsmaßnahmen oder diverse Erziehungsmethoden und -tricks zurück zu greifen. (...)
Dabei gibt Jan Hunt seltener konkrete praktische Tipps, sondern leistet vielmehr Überzeugungsarbeit. [Sie geht] vornehmlich auf die Wichtigkeit der Bindung ein, die ihrer Meinung nach durch Stillen, Familienbett und Tragen sowie Aufmerksamkeit gegenüber
den Bedürfnissen der Kinder zustande kommt. Bei den älteren Kindern erklärt sie vornehmlich die Schädlichkeit einzelner Erziehungsmethoden wie „Stiller Stuhl“, „Klapsen“ sowie Bestrafung und Loben und setzt auf gegenseitiges Vertrauen und Gespräche, um Probleme zu lösen. Leider überspringt sie die Kleinkindphase, bei der oftmals weder die Bindung allein hilft noch Gespräche durch Mangel an Kommunikationskompetenz seitens des Kindes sinnvoll sind, wenn es zu Problemen kommt. Dies mag Eltern skeptisch machen oder die Autorin unglaubwürdig erscheinen lassen, wenn sie bereits diese schwierige Phase kennen
gelernt haben oder mitten drin sind.
Der Grundgedanke bei allen Artikeln folgt immer ihrer für ihre These umgewandelte „Goldene Regel“: Behandele dein Kind genauso, wie du gerne behandelt werden würdest, wärest du in der gleichen Position. Sie geht davon aus, dass auch Erwachsene sich gegenüber anderen Menschen nur so benehmen, wie sie von diesen behandelt werden – und dass das Selbe für Kinder gilt.
Wer nicht sowieso schon vom gleichberechtigten Umgang mit Kindern überzeugt ist, könnte schon gleich im ersten Kapitel den Eindruck von Extremismus bekommen. Dies erreicht womöglich die Menschen nicht, für die Hunts Überzeugungsarbeit gedacht ist. Gleich zu Beginn setzt sie zwei Extreme auf: Entweder man „rafft es“ oder eben nicht, wenn es um den Umgang mit Kindern geht. In ihrer Erklärung impliziert sie, dass alle, die ihr nicht zu 100% zustimmen es entsprechend auch nicht „gerafft“ haben und dazu verdammt sind, das Leben ihrer eigenen Kinder und Kindeskinder zu ruinieren. Ohne diese einführende Erklärung wäre der Leser eventuell freier, die Inhalte der weiteren Artikel für sich zu übernehmen – oder eben nicht.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich ihre These teilweise so darstellt: aus den Kindern, die diesen Umgang erlebt haben,
werden nun für immer glückliche Menschen, die keinerlei Probleme haben – eine heile Welt mit Blümchen und Schnörkel.
Die Perle des Buches ist zweifellos das letzte Kapitel, in dem sie sehr nützliche und praktische Tipps dafür gibt, wie der Leser sich für Kinder einsetzen kann. Nicht nur generell in der Öffentlichkeit, sondern auch ganz konkret in Alltagsituationen, wie etwa wenn er Zeuge einer Eltern-Kind-Situation an öffentlichen Plätzen wird: das Kind wird geschlagen, beschimpft, extrem respektlos behandelt oder diskriminiert. In der Beschreibung des Dilemmas, in dem solche Zeugen stecken, findet der Leser sich schnell  wieder:
Wie kann ich mit dem selben Respekt, den ich für Kinder erwarte, dem Elternteil gegenübertreten, der gerade über die
Maßen respektlos mit seinen eigenen Kindern umgeht – so sehr, dass es mir selbst das Herz bricht? Die meisten Menschen
finden keine Lösung und schreiten deshalb nicht ein – mit schlechtem Gewissen wegen des leidenden Kindes. Oder doch,
aber eben respektlos. Hier bietet Jan Hunt vier einleuchtende Schritte, die sie ausführlich beschreibt, um in einer solchen Situation sowohl dem Elternteil als auch dem Opferkind zu helfen und die Situation zu entspannen.
Mit diesen Tipps und ihrem Enthusiasmus, nicht zuletzt mit guten Argumenten macht sie Mut, in solchen Situationen einzuschreiten und erklärt eindrucksvoll, wie gut auch nur eine solche Intervention etwas im Leben eines Kindes bewirken kann. Dabei schöpft sie auf Erfahrungen mit ihren erwachsenen Patienten, die sich gerne an das „eine Mal“ erinnern, als sie sich als Kind endlich Mal verstanden fühlten.
Schon allein wegen des letzten Kapitels ist Mensch Kind sehr zu empfehlen.
Vor allem für diejenigen, die gerade damit anfangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, und gute, logische Argumente
für Diskussionen mit Freunden und Verwandten brauchen, ist das Buch Gold wert.

Johanna Gundermann in unerzogen, Ausgabe 1/08

 

 

ISBN: 978-3-937797-21-2

192 Seiten

2. Auflage 2010